Demut, Hingabe und Dankbarkeit

Schritt für Schritt

Demut

Was bedeutet das für mich?
Demut ist für mich eine innerliche Geisteshaltung, die mir erlaubt jemanden momentan höher zu sehen als ich es im Moment selbst von mir fühle, erkenne.
Gelebte Demut lässt erkennen, dass ich ausreichend Einsicht über das gedankliche, emotionale und gefühlsmäßige Innenleben in mir habe und bereit, reif bin bei auftretenden Lösungsblockaden von Herausforderungen andere Menschen um Hilfe zu bitten.
Allerdings schließt es für mich ein, dass man zuvor alles in seiner momentanen Macht stehende getan hat, um selbst die Lösung zu finden, es jedoch nicht alleine geschafft hat.
Darum erkennt man in sich selbst, dass man die Hilfestellung, die Erfahrung eines anderen braucht, um diese Herausforderung des Lebens zu meistern. Man fragt nicht jemand anderen aus eigener Bequemlichkeit oder Unlust daran die Lösung selbst zu finden.
Genauso wenig versucht man auf Biegen und Brechen, gegen offensichtlich erkennbaren (inneren oder äußeren) Widerstand, die Lösung eigenwillig alleine zu finden, weil man unbedingt alles alleine schaffen will und ganz und gar unabhängig von anderen Menschen sein will. ( – Allverbundenheit 😉 – )

Das benötigt jedoch die oben erwähnte innere Einsicht über sich selbst.
Wann ist es für mich nicht mehr alleine tragbar, lösbar, schaffbar?
Muss ich das unbedingt jetzt lösen, oder kann das auch ein anderes mal geschehen, wenn es mir selbst einfacher von der Hand geht?
Gibt es einen emotionalen oder gedanklichen Widerstand, der mich daran hindert jemand anderen um Hilfe bei dieser Sache zu bitten?
Warum will ich das alles alleine schaffen?
Bin ich zu hochmütig, um um Hilfe zu fragen?
Traue ich dem anderen nicht zu, dass er mir helfen kann?
Will ich diese Herausforderung überhaupt lösen?
Diese Fragen kann man sich stellen, um eine innere Einsicht über die diesbezüglichen Gedanken und Emotionen zu erhalten. Muss man nicht.

 

Hingabe

Was bedeutet das für mich?
Ist man sich seiner inneren und äußeren Situation bewusst geworden und ist zu der Entscheidung gekommen, dass man in Demut jemand anderen um Hilfe bitten kann, bei dieser bestimmten Herausforderung, dann folgt die Hingabe.
Sich hingeben bedeutet sich jemand anderen und entsprechend auch sich selbst anzuvertrauen, zu vertrauen. Sich zu öffnen und seine Gedanken, Ideen, Gefühle in sich auf zu nehmen und in sich wahrzunehmen, wirken zu lassen. Bei gefühlter Stimmigkeit dürfen diese Ideen und Inspirationen gerne angenommen und ins eigene Leben umgesetzt werden.
Ich finde so denn man jemanden demütig um Hilfestellung gefragt hat und es jedoch nicht auf eigene Stimmigkeit trifft, so sollte man sich hüten, gleich zur Gegenwehr aufzurüsten und den anderen zu beschuldigen, dass das jetzt überhaupt nicht hilfreich ist und es eh schwachsinnig war überhaupt um Hilfe zu fragen. Denn hier kommt eine weitere Herausforderung zu Tage.
Ich frage jemanden um Hilfestellung und insgeheim erwartet man oft eine sofortige Lösung. Tritt diese nicht abrupt ein, ist man stark ent-täuscht (mit seiner eigenen Täuschung konfrontiert) und fühlt nun diese doch ganz anders geartete Realität, als diejenige die man sich ausgemalt hat.

Ein Beispiel: Wenn man als Schüler in Mathematik seine Herausforderungen hat und mit einer Frage um Hilfestellung zu einem Lehrer oder Nachhilfelehrer geht, dann erwartet man als Schüler emotional betrachtet, dass dieser für einen die Lösung – den Lösungsweg parat hat und damit die Sache gegessen ist und man endlich wieder das machen kann wozu man eigentlich Lust hat und nicht diese nervigen Matheaufgaben. Kommt dieser (erste) Schüler nun zum Lehrer und fragt, dann wird er oft herbe enttäuscht, wenn dieser ihm denselben Lösungsweg wie zuvor im Unterricht noch einmal vorrechnet (ohne dabei auf bestimmte individuelle Eigenschaften des Schülers einzugehen, Vorstellungsvermögen, abstrakt – bildliches Denken….). Der Schüler zieht frustriert ab und hat weiterhin seine ungelöste Aufgabe vor sich. Widerstand baut sich in ihm auf. Wut, Hass sich selbst und dem Lehrer, dem System gegenüber und Traurigkeit warum man diese Aufgabe nicht so einfach versteht und lösen kann wie der Schulkollege.
Man sieht an diesem Beispiel, dass der Schüler selbst keine eigene Ambition und Freude hat sich der Lösung der Aufgabe zu stellen. Er muss diese Aufgabe machen, ob er will oder nicht steht dabei nicht zur Debatte.

Angenommen ein (zweiter) Schüler hätte zu den aufgegebenen Aufgaben eine gegenwärtigere, offenere, demütigere innere Einstellung. So könnte dieser Schüler mit eigener innerer Freude und eigenem Antrieb an die Aufgaben herantreten und versuchen diese zu Lösen. Stellt er fest, dass es ihm alleine nicht gelingt, frägt dieser Schüler auch einen Lehrer um Hilfe. Da sich der Schüler jedoch selbst schon intensiver mit der Lösungssuche beschäftigt hat und von sich selbst weiß, was er nicht versteht (innere Einsicht, Selbstbeobachtung), kann er dem Lehrer konkrete Fragen stellen, um einen hilfreichen Tipp zur Lösung der Aufgabe von diesem zu erhalten.
Es mag sogar sein, dass der Schüler Freude daran empfindet, sozusagen gemeinsam mit dem Lehrer, eine Lösung der Aufgabe herauszuarbeiten oder gar nun selbstständig allein mit dem Tipp vom Lehrer befähigt, ermächtigt wurde die Aufgabe zu lösen.
Kurz: Der zweite Schüler hat sich offensichtlich tatsächlich der Matheaufgabe hingegeben. Er hat nicht davon geträumt in diesem Moment woanders zu sein. Er ist nicht geflüchtet vor den Herausforderungen die diese Aufgabe in diesem Moment an ihn stellt. Er hat sich der Herausforderung im Außen und Innen demütig hingegeben und sich dadurch selbst etwas besser kennengelernt.

Dankbarkeit

Entsprechend dem Beispiel mit den zwei Schülern ist der nächste Schritt die Dankbarkeit.

Der erste Schüler wird Dankbarkeit hinsichtlich seines gefühlten Widerstands, sämtlicher aufkommender Emotionen in sich, über sich, zu anderen, er wird diese Dankbarkeit in diesem Moment kaum – nicht wahrnehmen, empfinden können. Wofür soll er schließlich dankbar sein?, fragt er sich. Der Lehrer hat ihm nicht geholfen, er sitzt immer noch hier und kann das nicht, obwohl er lieber etwas anderes machen würde. Dankbarkeit ist für ihn erst mal keine Option.

Der zweite Schüler wird wahrscheinlich in Freude und Dankbarkeit dem Lehrer und sich selbst gegenüber treten können, da sie gemeinsam die Lösung gefunden haben.
Der Schüler kann sich selbst gegenüber dankbar sein, dass er bei Erkennen, dass die Aufgabe zu lösen nicht ganz alleine geht, den Lehrer um Hilfe gebeten hat. Er kann sich dankbar sein, dass er offenen Ohrs und demütig dem Lehrer zugehört und sich vertrauensvoll mit seinen eigenen bisherigen Gedanken zum Lösungsweg mitgeteilt hat. Er kann dem Lehrer dankbar sein, der ihm zugehört und auf eine weitere Art und Weise eine Lösung erklärt hat.
Kurz: Dieser Schüler kann sich selbst dankbar sein, dass er eine innere Einsicht (ein Wissen über sich Selbst, die Gedanken, Emotionen, Gefühle die in ihm umherschwirren) hat, die er vertrauensvoll ins Außen mitteilen kann.
Durch seine innere Einsicht und sein Mitteilen, konnte sich der Schüler mit Hilfe des Lehrers ein Stückchen selbst ermächtigen, mehr in seine eigene Kraft zurück gelangen und sich Selbst noch besser kennen lernen.
Doch ich lasse den ersten Schüler nicht einfach so stehen. 🙂
Wie könnte es für ihn weitergehen?
Er könnte sich weiter in der Abwärtsspirale nach unten drehen, weiter in Wut, Hass, Traurigkeit versinken und zu allem keine Lust mehr haben. Bis er irgendwann so völlig angefüllt mit diesen Emotionen und Gedanken zu sich selbst, den Lehrern, dem System, der Mathematik ist, dass ihm alles bis zum Hals steht.
Dann darf er in Demut erkennen, dass ihm in seiner Situation eigentlich nur die Hingabe an die Lösung der Aufgabe, das bewusste Auseinandersetzen mit der Herausforderung an sich bleibt, um sämtliche dieser Gedankenkonstrukte, die auf ihm Lasten, aufzulösen.

Schritt für Schritt mit zunehmender Hingabe an die im Moment gestellten Herausforderungen wächst auch er. Er erkennt, dass die Gedanken sich um diese Thematik aufklären und auflösen. Er erkennt was er tatsächlich kann und wie eine Erklärung für ihn auszusehen hat, damit er versteht. Er lernt sich selbst mit seinen inneren Fähigkeiten. Vorlieben, Talenten besser kennen und kann diese jetzt, da er weiß mit wem er es zu tun hat, anderen, dem Lehrer mitteilen. Demütig darum bitten eine bildliche Erklärung, vielleicht mit einem Tafelbild, zu geben. (Wohlwollend vorausgesetzt der Lehrer selbst kann verschiedene Sichtweisen und Erklärungsmodelle für seine Schüler aus sich selbst heraus hervorbringen). Gemeinsam finden auch dieser Schüler und Lehrer einen Lösungsweg.
Jetzt kann auch dieser Schüler Freude und Dankbarkeit, wie obiger, zweiter Schüler, sich selbst und dem Lehrer gegenüber empfinden.
Der Schüler hatte seine Herausforderung mit der mathematischen Aufgabenstellung.

 

Doch blicken wir mal hinter die Kulissen. Wenn man genauer darauf schaut, geht es hier nicht wirklich darum, wie letztlich die Lösung der unbekannten mathematischen Aufgabe aussieht.
Es geht darum, wie man mit den Herausforderungen und das was sie mit sich bringen können, um geht.

Zu Lernen mit den in jedem Moment erscheinbaren Herausforderungen klar zu kommen und sich ihnen demütig hinzugeben und sie dankbar und in Freude als Lernaufgabe für seine Entwicklung anzunehmen.

An einer einzigen Mathehaushaufgabe kann man sich also ein Stückchen sich seiner Selbst erobern.
Wer hätte das gedacht?! 😀

Im Grunde genommen – für mich – geht es in sämtlichen fachlich, sachlichen Inhalten, mit allen Gedanken und Emotionen darum sich ihnen, sollten sie sich als Herausforderung zeigen, zu stellen, in Demut und Hingabe und Dankbarkeit, für die Möglichkeit sich Weiterzuentwickeln.

Ich schließe allmählich mit einem bibelähnlichen Zitat aus Harry Potter und die Kammer des Schreckens:
„You´ll find that help will always given to Hogwarts , to those who asks, of course.“ Dumbledore

Oder aus der Lutherbibel 1912 : “7. Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 8 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“
(Quelle: https://bibeltext.com/l12/matthew/7.htm )

Die Frage stellt sich also nicht, ob einem Hilfe gegeben wird. Ja! Hilfe, Hilfestellung und Lösungen gibt es unendliche!

Die Frage ist: „Bist du dafür bereit, reif einsichtig genug, um nach Hilfe zu bitten, zu fragen und sie zu empfangen?“

In grenzenloser Liebe
eure Verena +

Demut und Hingabe