Keinfalt, Einfalt und Vielfalt

Nehmen wir an das Leben sei ein Stück Stoff, ein Teppich oder Vorhang oder ein Stück Papier.

Ein Teppich, wie ein Vorhang kann sowohl recht einfältig, also in nur wenige Falten gelegt, gestrichen oder gezogen sein. Der Stoff aus dem Teppich, wie auch Vorhang sein können liegt sozusagen einfältig vor.
Bei einem Stück Papier das nur einmal gefaltet wurde liegt entsprechend auch nur eine Falte vor. Sie kann aufwärts zeigen – wie ein Berg, oder abwärts – hinein gesunken erscheinen, wie ein Tal. Auf den Blickwinkel kommt es an.

Sowohl Teppich, Vorhang, als auch Papier sind, da wenig gefaltet, einfältig. Sie drücken die Einfalt aus.
Einfalt kann in unterschiedlicher Weise verstanden und empfunden werden. Bisher wurde der Begriff dazu gebraucht um Jemanden oder Etwas als eher einfach gestrickt, einfach im Denken, wenig ausgereift, jung, unerfahren oder ähnliches zu beschreiben.
Kurz: Vom Leben wenig gefaltet – eingedrückt.

Jetzt stellen wir uns einen Teppich, einen Vorhang und ein Stück Papier viele Male gefaltet vor. Der Teppich liegt in Falten, der Vorhang ist mehrmalig gerafft und das Stück Papier, gerne auch kunstvoll, gefaltet. Sie alle stellen die Vielfältigkeit dar. Sie sind viele Male, oft gefaltet worden, haben somit viele Falten ausgeprägt.      Vielfältigkeit, Vielfalt, Reife, Erfahrung, Weisheit ist anzustreben. Mehr zu Sein als was man ist, ohne das was IST zu schmälern.

Jetzt wenden wir uns dem Stoff, dem Material zu aus welchem sowohl Teppich, wie Vorhang, als auch Papier entsprungen sind.
Der Urstoff darf fein, rein, glatt, elastisch, leicht sein.

Das Leben als Teppich

Ein Stück Stoff, dessen wahrlicher Ursprung und dessen unermessliche Schönheit erst zum Vorschein kommt, sobald man ihn in Falten gelegt hat. Das Leben lebt.

Ein Stück Stoff beim ersten Erscheinen, seiner Geburt, seiner Schöpfung, rein, ohne jegliche sichtbare Einprägung, unbedarft und unbefleckt, glatt.

Ein Stück Stoff das sich dem Leben an sich hingibt und lebt. Belebt wird und das Leben in sich mehr und mehr erkennt, es in sich aufnimmt und ausdrückt.

Dieses Stück Stoff wird mit jedem Schritt, Tritt, Ziehen, Raffen, Falten, Streichen geformt. Es wird immer vielfältiger.

Mit jeder neuen Faltung treten zum einen physisch, materiell betrachtet offensichtliche Falten im Stück Stoff auf. Doch zum anderen sind auf „wundersame Weise“ unvorstellbare farbige, bunte Bilder, Muster, Strukturen und Prägungen im Stoff selbst sichtbar geworden.
Der Stoff ist nun physisch in Falten gelegt und farbenprächtiger denn je.

Doch muss es nun bei der physischen in Faltenlegung bleiben oder kann – darf diese wieder glatt gestrichen werden.
Können sich die Wogen im Stoff (des Lebens) glätten, ohne dass die Pracht und gewonnene Vielfältigkeit im Stoff verloren gehen?
Ja! Gerne.

Denn selbst ein Teppich von unbeschreiblicher Schönheit des Stoffes, des Garns kann in physische Vielfältigkeit gelegt zur Stolperfalle werden.

Ein zuvor reiner, glatter Teppich wird durch die Nutzung, das Leben, bunt, farbig, prächtig und in Falten gelegt. So denn erwünscht kann – darf dieser Zustand der physischen Faltigkeit wieder ausgeglichen werden.
Die im Ursprung, im Stoff eingedrückte und durch diesen wieder ausgedrückte Vielfältigkeit des Seins, in Form, Muster, Farbe und derlei gleichen bleibt erhalten. Der Teppich hat zu seiner wahren Schönheit gefunden und kann weiterhin in vielfältiger Schönheit faltenfrei seine Funktion erfüllen. So kann auch der Teppich seine Eindrücke – Erfahrungen in sich verinnerlichen und wieder in vielfältiger Form zum Ausdruck bringen.

* Das Leben als Teppich *

 

„Teppich – Reinigung“

Es gibt Teppiche die da physisch gesehen ein erhebliches Alter aufweisen, einen weiten Erfahrungsschatz und damit eine grenzenlose Schönheit ausstrahlen. Doch diese Teppiche sind, so denn sie liebevoll gepflegt, die Wogen der Lebens-Stürme glattgestrichen wurden, nicht einmal einfältig – sie waren physisch gesehen vielfältig, sind jetzt jedoch physisch gesehen keinfältig.
Faltenfreie grenzenlose Schönheit des Seins aus sich Selbst heraus.

Ursprünglich, glatt, rein, fein, leicht liegt er vor einem und immer wieder entdeckt man etwas Unbekanntes, etwas für einen Selbst „Neues“ im Altbekannten und kann so viel über sich Selbst und das Sein sehen, lernen, erinnern.

Das, ihr Leben hat sie gekennzeichnet, sie wurden reifer und schöner mit jedem Schritt den sie bewusster als zuvor erfahren, getan, gelebt haben.

Was will ich damit versinnbildlichen?
Übernehmen wir für einen Augenblick das Bild des Teppichs und legen es auf das Leben eines Menschen.
Viele Menschen machen den Eindruck von Einfältigkeit, obwohl sie bereits fortgeschrittenen Alters sind und dem eigentlich entsprechend einen großen unentdeckten Schatz an Erfahrungen in sich tragen.
Sie sprechen manchmal mehr oder weniger wehmütig, melancholisch über Vergangenes, erzählen Geschichten aus ihrer Kindheit und Jugend oder dem jungen Erwachsenenalter, als ob es für sie gerade eben geschehen ist. Sie kehren zurück in eine oft weniger erfreuliche Erfahrung aus dem Leben, ohne die Lehre, das Wissen, die Erkenntnis über sich Selbst daraus für sich gezogen zu haben.
Man braucht dazu nicht besonders alt zu sein. Ich selbst habe mich dabei beobachtet dies getan zu haben. In der unbewussten Annahme das es für jemand anderen wichtig oder gar interessant wäre, was ich erzähle. Doch letztlich habe ich nur sachlichen Inhalt wiedergegeben und keine daraus gezogene Lebensweisheit. Was hat mich diese oder jene Situation gelehrt? Hat sie mich reifer gemacht? Bin ich dadurch über mich selbst hinausgewachsen und habe mich dadurch weiterentwickelt? Ich gehe den Weg so wie ihr auch. 🙂

Warum wirken und handeln manche Menschen oft einfältig, unreif, unüberlegt, als hätten sie diese oder jene ähnliche Entscheidung in ihrem Leben nicht schon häufiger getroffen?
Ich denke sie sind sich ihres Erfahrungsschatzes den sie im Laufe des Lebens angesammelt haben nicht bewusst. Es ist so als würden sie ihr Leben, den Teppich keines Blickes aus der neutralen Beobachterperspektive würdigen (können), sondern sich selbst immer wieder durch den Dreck ziehen (lassen), mit matschigen Schuhen darüber laufen, ohne je auf den Gedanken zu kommen den Teppich, das eigene Leben mal unter die Lupe zu nehmen und zu sehen was da alles passiert ist.
Unbedarft und unvoreingenommen, frei von Vorurteil und Anhaftung sein eigenes Leben „rück“blickend betrachten und sehen was daraus geworden ist und was hätte sein können und was jetzt noch alles möglich ist.
Ich selbst habe mich lange gefragt, warum die Menschen von ihrem vergangenen Erlebnissen erzählen. Die meisten Menschen haben mir ihre selbst gewonnene Lebensweisheit nicht direkt mitgeteilt. Ich selbst habe als ich angefangen habe mich und meine Erfahrungen zu beobachten und zu hinterfragen und wertschätzen zu lernen, ich selbst habe mir die Erklärung dazu gegeben und das Wissen das sie daraus hätten ziehen können und immer noch für sich ziehen können.
Einfach wird es einem nicht gemacht. 😉 LACH!

Um es ab jetzt einfacher zu machen, die Entwicklung voranzutreiben, den Weg zu ebnen, dafür schreibe ich meine Erfahrung (mein Verständnis und Bilder) für Euch auf und teile sie Euch mit. So machen es momentan viele Mitwesen und haben es bereits getan. Dafür bin ich endlos dankbar und im Herzen und in der Freude verbunden! 🙂

Es gibt zu jedem Moment grenzenlose Möglichkeiten sich weiter zu entwickeln, die Schönheit des Teppichs, die markanten Muster, Webungen oder Knüpfungen zu erfühlen, die Farbspiele zu bestaunen und die einprägsamen Momente und Erlebnisse zu enthüllen.
In jedem Moment ist es möglich sich seines eigenen Erfahrungsschatzes, den man im Großen und Ganzen mit allen teilt, bewusst zu werden, zu erkennen was man bereits alles erlebt, überlebt und gemeistert hat, so gut es einem zum momentanen Zeitpunkt eben möglich war. Jetzt in diesem Moment würde man vielleicht anders handeln, doch warum? Weil man aus seiner Erfahrung gelernt hat. Man hat sich entwickelt, ohne es bewusst mitzuerleben. 😀

Jeder kann sein Leben, seinen Teppich vor sich ausrollen und ihn betrachten, begutachten, wertschätzen lernen.
Ich gebe hiermit allen Mitwesen und damit mir selbst die Möglichkeit sich immer wieder aufs Neue „rein“ zu waschen, sich zu „Reinigen“, sich zu falten und zu ent-falten in der grenzenlosen Vielfältigkeit des Seins sich selbst zu gestalten und zu erfahren.
Wer sich immer wieder selbst anschaut, hingebungsvoll, demütig den Teppich (das Leben, sich Selbst) lieben lernt der kann selbst eingefahrene Falten oder Löcher im Teppich flicken und mit grenzenloser Liebe auffüllen, die physischen Prägungen des Lebens glattstreiche(l)n und immer mehr Liebe und Freude in den Teppich einfließen lassen.

Man könnte sagen jeder von uns ist sein eigener Teppich (auf den es liebevoll achtsam zu schauen gibt) und zusammen ergeben wir eine unendlich große Patchwork – Decke die harmonisch zusammen verbunden ein wunderschönes harmonisches Kunstwerk – ein ewiges Leben in Freiheit, Freude und Frieden erschafft.

So wird die ursprüngliche Reinheit eines Teppichs (Lebens) mit dem vielfältigen Erfahrungsschatz angereichert und kehrt immer wieder zur Keinfältigkeit in die Reinheit, zum Ursprung, zurück.

Alles in Liebe
Verena

The Unicorn in Captivity (from the Unicorn Tapestries) 1495-1505
The Unicorn in Captivity (from the Unicorn Tapestries) 1495-1505 // Source/Quelle: Eigene Fotografie im Stirling Castle in Schottland 2010. Own Photography from 2010 at Stirling Castle in Scotland. (also header picture, a detail from the same tapestry). For more detailed information on the Tapestries: https://www.metmuseum.org/art/collection/search/467642?pos=4 (If there are any constraints due to copyright – unknown by myself – please let me know and I will change – delete the picture. Unless I think it meets the topic quite well and only with the most pure intention.)