Nahezu hätte ich den folgenden Text derartig begonnen. Doch was weiß ich schon darüber, was sich UNSERE Herzen erwünschen. Das ist wohl individuell.

Daher schreibe ich davon, was ich für Mich erkannt habe, was sich Mein Herz erwünscht hat, in Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen.

Wenn ich alle von mir gemachten Erfahrungen mit anderen Menschen zusammen gefasst betrachte, erkenne ich Unterschiede in der Tatsache, inwieweit mich der jeweilige Kontakt sozusagen zufrieden gestellt hat. Plump ausgedrückt. Wenn ich es genauer betrachte, dann ist es wohl der Grad der inneren Erfüllung des Kontakts mit den jeweiligen Menschen der sich unterschiedlich ausprägt.

Was ist, mir nach, ein innerlich erfüllender zwischenmenschlicher Kontakt, wie prägt er sich aus, wie fühlt er sich an und warum kann er nicht (sofort oder überhaupt) mit jedem Menschen stattfinden, woran liegt es das diese Art des Kontakts gefühlt so selten ist?

Viele Fragen, die ich versuche mir selbst an Hand von Beispielen aus meinem Leben zu veranschaulichen und zu beantworten.

Tatsächlich kann ich von mehr Lebenssituationen erzählen, die diese ganzheitliche Erfüllung nicht mit sich gebracht haben, als von jenen Kontakten die es tun. Letztere sind ohne zu Übertreiben unendlich inspirierend und grenzenlos erfüllend.

1.Woran liegt es das diese Art des Kontakts so selten ist und unerfüllt bleibt?

Einige nicht tief erfüllende Kontakt-Beispiele:

– Eltern-Kind (- Geschwister)

– Schüler – Lehrer

– Arbeitgeber – Arbeitnehmer

– Freundschaften

Ich erkenne für mich, dass ich innerhalb der Beispiele Kategorien bilden kann, die mir das Beantworten „Warum es nicht tief erfüllt war/ist“ erleichtern.

Die Situation zwischen Eltern und Kindern, zwischen Schülern und Lehrer, zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist eher auf einer Hierarchie aufgebaut, die Einen davon immer als „mehr wissend“ und den Anderen als „weniger wissend“ annimmt. Dem entsprechend bildet sich ein Machtgefälle, Einer ist „mächtiger“ und der Andere „ohnmächtiger“ und damit handlungsunfähiger. Vom Ohnmächtigeren wird blinder Gehorsam erwartet, da die höhere Autorität vorgibt im jeweiligen Lebensbereich es „besser“ zu wissen und entsprechend zu handeln.

Doch was ist, wenn man als Kind Unstimmigkeiten, Inkonsequenzen im Reden und Tun seiner Eltern und der Lehrer bemerkt, als Erwachsener beim Arbeitgeber. Sie sagen zwar das Eine, machen jedoch das Andere, das genaue Gegenteil des Gesagten (ohne sich zu Erklären, warum man jetzt anders als gesagt handelt). Dann ist es nicht verwunderlich, wenn sich der von den Kindern oder Arbeitnehmern erwartete blinde Gehorsam, das Vertrauen in die „besser wissende Autoritätsperson“ schwindet und in Frage gestellt wird, ob aktiv ansprechend oder für sich erkennend und später im eigenverantwortlich gestalteten Leben umgesetzt.

Das ist eine erste Kategorie: Hierarchie in der Zwischenmenschlichen Beziehung.

Eine zweite Kategorie: Wie kann ich jemand anderen helfen, wenn ich mir selbst nicht helfen kann?

Besser: Wenn ich selber so viele Themen mit meinem Leben habe, damit so beschäftigt bin, abgelenkt von meinem wahren Selbst, wie kann ich dann den Anderen als das sehen was er im Kern ist.

In diese Kategorie kann man alle obigen Beispiele einordnen.

Jeder ist einfach mit sich, seinen Themen, Problemen, Lebenssituationen einfach so sehr beschäftigt gewesen, dass man kaum noch geistige Kapazität hatte, sich die Themen des Anderen mitfühlend anzuhören, oder sogar Verbesserungsvorschläge zu geben, sozusagen aus der eigenen Erfahrung sprechen. Das konnte ich in obigen Situationen meist nicht, weil eben diese Bedingungen gegeben waren.

Natürlich habe ich mich mit meinen Freundinnen getroffen, wir haben uns ausgetauscht über die aktuellen Lebensthemen, die familiäre Situation daheim, die unerfüllten Wünsche und Verlangen, Träumereien, die beginnenden und verblassenden Liebesbeziehungen, die Erfahrungen des Schulalltags, die Hochs und Tiefs des Lebens.

Doch aus meiner Perspektive rückblickend gesehen, waren es bei mir selbst die eigenen Themen, das Ego, die Trugwahrnehmungen die mir eine tiefe erfüllende Beziehung mit diesen Menschen meist verwehrt hat.

Ein paar Beispiele der damals aktiven Egos, begrenzenden Gedanken.

  • Von der einen Freundin habe ich mich zu sehr eingenommen gefühlt, als würde sie ständig meine Aufmerksamkeit brauchen. Gleichzeitig habe ich mich ihr gegenüber minderwertig gefühlt, weil sie in einem bestimmten Schulfach besser war als ich, sich jedoch hinter dem Rücken anderer Schulkolleginnen über diese lustig gemacht hat, dass gerade diese dieses Fach fürs Abitur wählt. Mein Gedanke war, wenn sie so über xy redet, hinter deren Rücken, wie wird sie wohl über mich reden oder denken.
  • Bei einer anderen Freundin gab es von mir aus eine Art Eifersucht und Neid, weil sie ein familiäres, materielles, soziales Leben geführt hat, welches ich mir damals gewünscht hätte. Ich konnte damals diese Gleichgültigkeit und „das ist ganz normal so“ dieser Freundin nicht ausstehen, weil ihre Lebenssituation um so viel besser schien. Innerlich wünschte ich mir offen gezeigte Dankbarkeit und Wertschätzung von ihr, ihrem Leben gegenüber. (Doch was weiß ich schon, ob sie ihre Lebenssituation auch so rosig empfunden hat?)
  • Eher mitfühlend und nachvollziehen konnte ich diejenigen Freundinnen, denen es daheim nicht so gut ging, wo die Eltern Probleme hatten oder etwas Ähnliches was mir bekannt war stattfand. Hier konnte ich auf Grund der ähnlichen Situation Mitgefühl, Empathie empfinden, doch da wir beide als Kinder-Jugendliche in derselben Hierachiestufe standen und auch so behandelt wurden, konnten wir uns gegenseitig nicht helfen oder die Situation verbessern.

Die dritte Kategorie innerhalb meiner Beispiele: Anhaftung an unerfüllte Träumereien, Vorstellungen, Einbildungen.

In dieser Kategorie fällt ein bestimmtes Beispiel aus meinem Leben, das sich mit zunehmenden Wunsch nach echtem erfüllenden Kontakt aufgebaut hat.

Im Prinzip war der Wunsch nach einem erfüllten Kontakt so groß, dass sämtliche Egos erstmals unterdrückt wurden, die Aufregung etwas Neues gefunden zu haben und erfahren zu dürfen war stark.

Ich hatte eine freundschaftliche Beziehung mit einem Menschen aufgebaut, die sich immer mehr auf Träumereien, Wunschvorstellungen stützte. Ein wackeliges Fundament wie sich herausstellte. Nach einigen Monaten des stetigen Kontakts wurde die Wunschvorstellung mit der Realität konfrontiert und obwohl wir uns gesagt haben, dass die Beziehung vielleicht nicht dieser Wunschvorstellung entspricht, war (soweit ich mich erinnere) im damals gegenwärtigen Moment keiner von uns in der Lage, das Zerplatzen der Traumblase und die nicht Erfüllung der Wunschvorstellung anzusprechen. So lag diese jeweilige „Ent-Täuschung“ während des persönlichen Kontakts stets in der Luft und es wurde nicht darüber gesprochen. Nicht gerade erfüllend. Zumal meinerseits die Wunschvorstellung nicht sofort nach dem Erkennen der Realitätsferne losgelassen wurde und ich sozusagen Widerstand gegen das was Ist geleistet habe.

Das sind also einige wenig erbauende und nicht erfüllende Beispiele aus meiner Erfahrung.

2. Was beinhaltet der Wunsch nach einem erfüllten Kontakt zu und mit einem anderen Menschen? Wie fühlt es sich an erfüllten Kontakt zu haben?

Das Wie es sich anfühlt, hätte ich in den damaligen Situationen nicht beschreiben können, weil diese Erfahrung fehlte und meine bewusste Selbstbeobachtung nicht ausgeprägt genug war.

Doch zum jetzigen Moment möchte ich das Wie folgendermaßen be-umschreiben.

Wer den Film „Avatar“ kennt, erinnert sich hoffentlich an die Szenen in denen die Navi Frau dem Avatar von Jake begegnet und irgendwann zu ihm sagt: „Ich sehe dich.“

Das fasst es gut zusammen, als das Was man ist gesehen zu werden, als ein göttliches Wesen, eine Seele….und als solches auf seelischer Augenhöhe behandelt zu werden, mit Respekt und Achtung.

Auch in der Schulzeit gab es durchaus Kontakt zu Freundinnen, bei denen ich einfach so sein durfte und konnte wie ich war, ohne mich deswegen minderwertig, schlecht, dumm oder aus weniger gutem Hause zu kommen, zu fühlen. Ich konnte einfach so sein wie ich war. Es war ein Kontakt der eher rein, unvoreingenommen und frei von begrenzenden Gedanken mir selbst und dem anderen gegenüber, war und dadurch auch eine Offenheit, Herzlichkeit und Freude mit sich brachte und kreatives Potential ermöglichte. Vor allem da ich trotz meiner äußerlichen Andersartigkeit (Individualität) einfach von diesen Menschen akzeptiert wurde, ohne mich anpassen zu müssen, um mich dem Peer-Pressure / Gruppenzwang unterzuordnen. Das waren befreiende und freudige Kontakte.

Und hierbei spreche ich nicht darüber, dass man bewusst seelisch auf Augenhöhe gesehen wurde. Ich wurde einfach so (weil es normal ist?!) respektvoll und achtungsvoll behandelt und dafür bin ich sehr dankbar. 😀 [Ich wurde meistens von Anderen recht gut behandelt, doch die Egos auf beiden Seiten ermöglichten keinen tieferen Kontakt.]

Es scheint, dass es eine ursprüngliche Eigenschaft von Kindern ist, die mit ihrer eigenen Offenherzigkeit, Neugier und Unvoreingenommenheit, Reinheit einfach einen Kontakt auf Augenhöhe herstellen können.

Ja, wenn ich so darüber nachdenke, haben sich diese Menschen bis ins Schulalter diese erfreulichen Eigenschaften erhalten und sie ihren Mitmenschen, oder zumindest mir, entgegengebracht.

Der Wunsch beinhaltet demnach „wirklich als das Was man ist gesehen-erkannt zu werden“ oder mindestens „ respektvoll und mit Achtung behandelt zu werden“.

Wie fühlt es sich an erfüllten Kontakt zu haben?

Ohh, so frei und schön. Vor allem wenn man sich und den anderen dabei selbst beobachtet und dem innerlichen Wunsch nachgeht, diesen Kontakt immer mehr zu vertiefen, zu verfeinern, zu erweitern. Das gegenseitige Verständnis über das Leben (seine Gefühle, Wahrnehmungen, Beobachtungen, Entwicklungen, Erfahrungen, Bedeutendes…) dem anderen mitzuteilen und zu erweitern.

Man erfährt ein respektvolles Miteinander und bringt gegenseitige Achtung und Wertschätzung dem bloßen Sein des Anderen mit.

  • Ein Kontakt auf seelischer Augenhöhe, immer mehr frei von Begrenzungen durch Be/Ab-wertungen, Gedanken, Vorstellungen, Einbildungen, Ego-kreierten Scheinbedürfnissen.
  • Ein Kontakt bei dem man dem anderen Fragen stellen kann und er diese offen beantwortet oder nicht. Was auch ok ist.
  • Ein Kontakt mit einer Vertrauensbasis, dass der Andere nichts Böses im Schilde führt.
  • Ein Kontakt auf bewusster selbstverantwortlicher Basis auf beiden Seiten.

Ein fließender Austausch von in Worten geformten Wahrnehmungen, Gefühlen und Gedanken. Einer spricht, drückt sein Innerstes aus, der Andere erhält die Information, es entstehen in ihm die mitgeteilten Gefühle, Gedanken, Bilder dazu. Er sieht, fühlt, und versteht den Anderen, was er mitteilen will.IMG_20200914_093257_resized_20200918_025223948

Im Weiteren, kann der Empfangende seine Bilder, die durch die Mitteilung in ihm entstanden sind, in Worte fassen und wiederum an den Sender zurückschicken. Es kann ein Abgleich des gegenseitigen Verständnisses stattfinden, sowie eine Erweiterung des Gesamtbildes des ursprünglich Mitgeteilten.

Ein fließender, sich erweiternder Austausch von Wahrnehmungen, Gefühlen, Gedanken und Bildern.

Noch eine weitere Frage: Warum wünsche ich mir diese Art von Kontakt?

Nun ja es ist meines Erachtens nach die natürlichste, reinste und ursprünglichste Form mit einem anderen Wesen in Kontakt, Austausch in Verbindung zu treten.

Diese Art des Kontakts spiegelt die Wirklichkeit des Seins wieder,

dass alles Eins ist.

Ursprüngliche Energie, Bewusstsein, dass sich in unterschiedlichen Formen darbietet und daher in dieser Form respektiert und geachtet werden will – sollte, als Teil, als Ausformung der einheitlichen Schöpfung.

Es ist ein befreiender und erweiternder, gleichberechtigter und harmonischer (sich im Gleichgewicht befindlicher) Kontakt, der dem reinen Sein und der Freude am Sein gewidmet ist.

Es ist möglich eine echte Verbindung mit einem anderen Wesen aufzubauen, weil man aus eigener Erfahrung oder durch Einfühlung (Empathie) in seine Erfahrungsberichte nachvollziehen und damit Verstehen und Wissen kann wie es dem Anderen geht, wie er wahrnimmt, fühlt und denkt. Was nicht beinhaltet, dass man selbst in einer entsprechenden Situation genauso denken und handeln würde. Es ist einfach eine Andere, vielleicht neue, bisher unerfahrene Sichtweise und Umgangsweise mit einer Situation.

3. Warum kommt diese Art des Kontakts nicht so häufig vor?

Um einen derartigen harmonischen Kontakt mit einem anderen Wesen aufbauen zu können, müssten beide Seiten zu aller erst genau diesen, denselben Wunsch nach dieser Verbindung haben.

Des Weiteren ist wichtig dem anderen geistig Raum und Zeit zu geben, damit dieser sein Innerstes Ausdrücken kann, so wie er es für stimmig hält, kurz Geduld.

Es gibt in dieser Art des Kontakts keinen dauerhaften Platz von Ego-Scheinbedürfnissen. Es geht nicht darum „sich selbst“ gut dastehen zu lassen und besonders intelligente, ausgeklügelte oder ach so wortgewandte Reden zu schwingen. Es geht um das Mitteilen, dessen was man in sich wahrnimmt, beobachtet und entsprechend mitteilt. Es erfordert ein gewisses Maß an Selbstkenntnis durch Selbstbeobachtung und Selbstreflexion (die teilweise zeitgleich, parallel zum Austausch/Gespräch stattfinden), um diese Art des Kontakts zu ermöglichen.

Es erfordert auch, sich mit den aufkommenden Ego-Scheinbedürfnissen zurückzunehmen und nicht sofort ständig zu widersprechen, falls man nicht einer Meinung mit dem Anderen ist. (Den in erster Linie geht es in dem Moment nicht um Dich/Mich, sondern um den Anderen, der dir gerade etwas von sich mitteilt.)

Wichtig auch Offenheit und Interesse dem Anderen gegenüber, wie er wahrnimmt, fühlt und denkt.

Es ist sozusagen ein Eintauchen in die Welt des Anderen, ohne sich selbst und seine Wahrnehmung, sein Fühlen und Denken aus dem inneren Blick zu verlieren.

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Vielleicht kennst Du das auch, man trifft sich mit einem Menschen und tauscht sich mit gefühls-leeren Wörtern aus. Leer deswegen, weil es sich nur um den Informationsaustausch dreht. „Was hast du die letzte Zeit gemacht, was machst du jetzt, weißt du was der xy jetzt macht…“

Dadurch bekommt man zwar ein Update zur aktuellen Lebenssituation des Anderen, jedoch baut sich dadurch kein tieferer verbindender Kontakt auf. Kein Verständnis und Wissen darüber, wie der Andere fühlt und warum er in dieser Situation so gehandelt hat und nicht anders.

Der Kontakt bleibt ohne dauerhafte Verbindung, man kennt sich gegenseitig nicht, weiß nicht auf welchem Fundament der andere seine Entscheidungen trifft, welche innerlichen Wünsche er hat und so weiter.

Man könnte es auch mit einem Zeitschriftenartikel über einen sogenannten Promi vergleichen, der in einem Interview davon erzählt, was er im Urlaub gemacht hat und in welchem Restaurant er letztens Essen war. Belangloses.

Für einen Einstieg in ein Gespräch sind die Updates über die aktuelle Lebenssituation ok.

Doch auf Dauer nichts Dauerhaftes, was eine aufrichtige tiefere Verbindung und Kontakt ermöglicht.

Auch die Bereitschaft und der Wunsch an sich und seinen Themen (Ego-Scheinbedürfnissen, Selbstkenntnis, Selbstbeobachtung…) zu arbeiten, um im Weiteren den Kontakt noch fließender gestalten zu können, sind wichtig.

Ich denke hiermit schließe ich erstmals diese Abhandlung und den Gedankengang zum Thema: Was sich Mein Herz sehnlichst erwünscht(e).

Gerne darfst Du mir deine eigene Wahrnehmung zu diesem Thema aus deiner Sicht mitteilen, z.b. in den Kommentaren. 🙂

Alles Liebe

Verena

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